Ein Exposé kann fachlich solide sein und trotzdem keinen klaren Eindruck hinterlassen. Nach mehreren Seiten weiß die betreuende Person zwar, welches Themenfeld Sie interessiert, aber noch nicht, welche Forschungslücke Sie bearbeiten, welche Evidenz Sie benötigen und ob das Vorhaben im vorgesehenen Zeitraum realistisch ist.
Genau diese Verbindung muss ein Promotions-Exposé sichtbar machen. Eine professionelle Abbildung kann dabei helfen—aber nur, wenn sie Forschungslogik komprimiert. Dekorative Icons, 3D-Kästen und unbeschriftete Pfeile ersetzen weder eine präzise Forschungsfrage noch ein begründetes methodisches Vorgehen.

Zuerst Promotionsordnung, Ausschreibung und Vorlage lesen
„Exposé“, „Forschungsexposé“, „Research Proposal“ und „Arbeitsplan“ werden nicht überall gleich verwendet. Bei einer Individualpromotion dient das Exposé häufig als Gesprächsgrundlage mit einer möglichen Betreuung. Graduiertenschulen, strukturierte Programme, Stipendien und ausgeschriebene Stellen können dagegen feste Seitenzahlen und Bewertungskriterien vorgeben.
Wie konkret solche Vorgaben sein können, zeigt die Charité-Vorlage 2026 für den PhD/MD-PhD Advanced Track: maximal drei DIN-A4-Seiten, mit Forschungsstand, Zielen, Methoden, Zeit- und Publikationsplan; im optionalen Anhang sind bis zu zwei Abbildungen vorgesehen, etwa ein graphisches Abstract oder ein Arbeitsablaufplan.
Prüfen Sie deshalb vor dem Schreiben: Umfang, Pflichtüberschriften, Zitierweise, Abbildungsregeln, gewünschte Betreuung, Eigenanteil, Unterschriften und Dateiformat.
Typische Schwächen
Ein Themengebiet wird als Forschungsfrage ausgegeben
„KI in der medizinischen Ausbildung“ bezeichnet ein Feld. „Wie verändert KI-gestütztes Feedback die diagnostische Kalibrierung von Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung?“ ist eine untersuchbare Frage.
Der Forschungsstand bleibt eine Literaturliste
Ordnen Sie Quellen nach Befunden, Kontroversen, theoretischen Ansätzen und methodischen Grenzen. Der Abschnitt muss in eine begründete Lücke münden, nicht in die Feststellung, dass es „noch wenig Forschung“ gibt.
Methoden werden genannt, aber nicht begründet
Interviews, Experimente oder Machine Learning sind noch kein Design. Erklären Sie Material oder Stichprobe, Zugang, Erhebung, Auswertung, Gütekriterien, Ethik und Alternativen.
Passung und Machbarkeit bleiben Floskeln
Verbinden Sie Ihre bisherigen Erfahrungen mit konkreten Arbeitspaketen. Benennen Sie außerdem, welche Expertise, Infrastruktur, Daten oder Kooperationen der gewünschte Standort tatsächlich beiträgt.
Die Grafik sieht aufwendig aus, sagt aber wenig
Eine Abbildung lohnt sich nur, wenn sie eine Beziehung, Abfolge, Entscheidung oder Abhängigkeit schneller erfassbar macht als Text.
Die sechs Fragen hinter jeder Begutachtung
- Was genau soll untersucht werden?
- Welche Wissenslücke besteht?
- Warum ist sie wissenschaftlich relevant?
- Mit welchen Daten und Methoden wird sie bearbeitet?
- Ist das Vorhaben zeitlich und praktisch durchführbar?
- Warum passen Bewerberin oder Bewerber, Betreuung und Forschungsumfeld zusammen?
Schreiben Sie diese sechs Antworten zuerst auf eine Seite. Erst wenn daraus eine zusammenhängende Argumentation entsteht, lohnt sich die sprachliche Ausarbeitung.
Jedes Ziel muss Evidenz erzeugen, die zur Beantwortung der zentralen Frage beiträgt.
Bewährter Aufbau eines Promotions-Exposés
1. Arbeitstitel und Kurzfassung
Der Titel nennt Gegenstand, Beziehung und Kontext, ohne ein noch nicht vorhandenes Ergebnis vorwegzunehmen. Die Kurzfassung bündelt Problem, Lücke, Frage, Vorgehen und möglichen Beitrag.
2. Problemstellung und Stand der Forschung
Wählen Sie Literatur danach aus, welche Funktion sie für Ihre Argumentation erfüllt. Eine präzise Überleitung kann so aussehen:
Bestehende Arbeiten belegen A und deuten B an; ungeklärt bleibt jedoch C unter Bedingung D. Das Projekt untersucht diese Lücke mit E.
3. Forschungsfrage, Hypothesen und Ziele
Arbeiten Sie mit einer zentralen Frage und wenigen zusammenhängenden Teilzielen. Ordnen Sie jedem Ziel benötigte Daten, Methode und erwartbare Evidenz zu.
4. Forschungsdesign und Methodik
Beschreiben Sie Material, Fälle oder Stichprobe, Zugang und Auswahl, Erhebung, Analyse, Validierung, Ethik und Ausweichstrategie. Ein Workflow-Diagramm kann Lücken im Design sichtbar machen, bevor Sie die Methodik ausformulieren.
5. Eigenständiger Beitrag und Relevanz
Unterscheiden Sie zwischen dem Beitrag—neue Daten, Erklärung, Methode, Interpretation oder Anwendung—und seiner Bedeutung für das Fach oder die Praxis.
6. Eigene Vorarbeiten und institutionelle Passung
Zeigen Sie, welche Aufgaben Sie bereits beherrschen, welche Qualifizierung noch nötig ist und warum Betreuung, Arbeitsgruppe, Archiv, Labor oder Infrastruktur zum Projekt passen.
7. Arbeits- und Zeitplan
Ein guter Plan nennt prüfbare Meilensteine: Ethikvotum, Pilotstudie, Datenzugang, Erhebung, Zwischenauswertung, Validierung, Kapitel- oder Manuskriptentwürfe. Mit dem Research Roadmap Maker lässt sich eine Phasenstruktur entwerfen; passen Sie sie anschließend an die reale Promotionsdauer an.
8. Risiken, Alternativen und Literatur
Benennen Sie die wenigen Risiken, die das Projekt tatsächlich verändern könnten, und konkrete Alternativen. Prüfen Sie jede Literaturangabe an der Originalquelle.
Welche Abbildungen sind sinnvoll?
- Forschungsrahmen für Konzepte, Variablen, Mechanismen oder Teilziele: Conceptual Framework Maker
- Methoden-Workflow für Daten, Erhebung, Analyse, Validierung und Plan B: Workflow Diagram Generator
- Arbeits- und Zeitplan für Phasen, Abhängigkeiten, Meilensteine und Ergebnisse: Research Roadmap Maker
- Mechanismus- oder Systemdarstellung für naturwissenschaftliche, medizinische oder technische Gegenstände: Scientific Figure Maker
Die Methodengrafik beantwortet „wie“, der Zeitplan beantwortet „wann“.
Drei konkrete Abbildungen für ein Promotions-Exposé
Die folgenden Bilder erklären nicht bloß Abbildungstypen. Es sind fiktive Fallbeispiele, die in dieser Form im Exposé stehen könnten. Thema, Variablen und Pfade dienen nur als Muster; ersetzen und prüfen Sie jedes Element für das eigene Vorhaben.
Biomedizin: Mechanismushypothese und Intervention
Die Abbildung zerlegt ein breites Thema in prüfbare Verknüpfungen und zeigt den vorgesehenen Eingriffspunkt.
Sie passt ans Ende des Forschungsstands oder hinter die Hypothesen. Ersetzen Sie Exposition, Kompartimente, Mediatoren, Endpunkt und Intervention. Jeder Pfeil braucht Literaturbezug oder muss eindeutig als zu prüfende Hypothese erkennbar sein; ein T-Ende bedeutet durchgängig Hemmung. Der Scientific Figure Maker kann den Entwurf liefern, nicht aber die fachliche Prüfung ersetzen.
Sozialwissenschaft: Mediation, Moderation und Kontrollen
Haupteffekt, direkter Pfad, Moderator und Kontrollvariablen bleiben unterscheidbar.
Dieses Modell gehört zum theoretischen Rahmen oder zu den Hypothesen. Tauschen Sie Konstrukte und H-Nummern aus und definieren Sie alle Variablen im Text. Ein beobachtendes Design rechtfertigt nicht automatisch Kausalpfeile. Mediation oder Moderation sollten theoretisch notwendig sein, nicht nur anspruchsvoll aussehen. Mit dem Conceptual Framework Maker lassen sich Alternativen vorab vergleichen.
Ingenieurwissenschaft und KI: Entwicklung versus externe Validierung
Eine Methodengrafik zeigt Datenherkunft, Verarbeitung, Modell und Validierungsgrenzen, aber keine erfundenen Ergebnisse.
Die Abbildung gehört in den Methodenteil. Ersetzen Sie Datenquellen, Qualitätsprüfung, Merkmale, Modell, Validierungsdatensätze und Kennzahlen. Training, interne Prüfung und externe Validierung müssen sichtbar getrennt bleiben. Geplante Metriken dürfen genannt, Leistungswerte oder Kurven jedoch nicht vorweggenommen werden. Der Workflow Diagram Generator macht diese Evidenzkette nachvollziehbar.
Professionell heißt leicht prüfbar
Eine gute Grafik hat eine Leserichtung, verwendet dieselben Begriffe wie der Text, arbeitet mit kurzen Beschriftungen und bleibt im Graustufendruck verständlich. Schrift, Linien und Farbbedeutungen bleiben konsistent. Bewahren Sie eine editierbare SVG- oder PPTX-Datei auf.

Schwacher und besserer Prompt
Schwach
Erstelle eine schöne Grafik für mein Promotions-Exposé.Besser
Erstelle einen klaren Forschungsrahmen für eine Promotionsbewerbung.
Oben: Forschungslücke [ein Satz].
Mitte: zentrale Forschungsfrage [ein Satz].
Darunter: drei Ziele in [paralleler/sequenzieller] Anordnung.
Unter jedem Ziel: Daten, Kernmethode und benötigte Evidenz.
Unten: eigenständiger Beitrag.
Eine Leserichtung von oben nach unten, kurze Nominalphrasen,
weißer Hintergrund, Dunkelblau und Cyan, eine Akzentfarbe.
Keine Hochschullogos, Dekorationsicons, erfundenen Daten oder Ergebnisse.Prüfen Sie anschließend jeden Pfeil selbst. Für Rückmeldungen können Sie die ausgewählte Grafik in ein editierbares Vektorformat umwandeln.
Checkliste vor der Abgabe
- Alle formalen Vorgaben sind erfüllt.
- Die zentrale Frage ist sofort erkennbar.
- Der Forschungsstand führt zu einer präzisen Lücke.
- Ziele, Daten, Methoden und Evidenz passen zusammen.
- Ethik, Risiken und Alternativen sind berücksichtigt.
- Der Zeitplan ist realistisch.
- Betreuung und Standortbezug sind konkret.
- Alle Quellen sind geprüft.
- Abbildungen sind erlaubt, im Seitenformat lesbar und im Text erläutert.
- Das PDF wurde auf einem zweiten Gerät und in Graustufen geprüft.
Vertiefend helfen der Leitfaden zu Abbildungen in Forschungsanträgen und der Leitfaden zum Forschungsfahrplan. Die passenden Werkzeuge finden Sie gesammelt auf der Seite für Promovierende.



